Jahresrechnung 2020


Finanzkommentar

Die Jahresrechnung 2020 schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 867'316.18 Franken ab. Der budgetierte Aufwandüberschuss von 129'900 Franken wird somit um 737'416.18 Franken übertroffen. Der schlechter ausgefallene Abschluss der Erfolgsrechnung – wenn auch wenig erfreulich, so doch nicht besorgniserregend – konnte zum Zeitpunkt der Budgetierung im Sommer 2019 nicht erwartet werden.

Gesamthaft schliesst die Jahresrechnung 2020 mit einem Aufwand von 18'158'252.62 Franken gegenüber einem Ertrag von 17'290'936.44 Franken ab. Im Vergleich zur Jahresrechnung 2019 (Aufwand: 16'913'432.53 Franken / Ertrag: 19'631'344.56 Franken) erhöht sich der Aufwand um 1'244'820 Franken, derweil sich der Ertrag um 2'340'408 Franken reduziert. Bereits während des laufenden Rechnungsjahres 2020 konnte tendenziell festgestellt werden, dass zum einen gewisse Positionen vermutlich zu optimistisch budgetiert wurden, zum anderen zum Zeitpunkt der Budgetierung nicht alle Kalkulationen im tatsächlichen Ausmass erfasst wurden.

Anspruch und Wirklichkeit präsentieren sich also nicht optimal, wobei die Ursachen immerhin unmittelbar auf einen Blick identifiziert werden können:

Gesundheit: Die Kosten von Pflegeleistungen werden von verschiedenen Kostenträgern übernommen. Sowohl die Bezüger*innen und Krankenkassen als auch die Gemeinden müssen sich aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen an der Finanzierung beteiligen. Der Pflegeaufwand hat über sämtliche Bereiche der Langzeitpflege stark zugenommen (höhere Anzahl an Pflegebedürftigen, intensivere Pflege), weshalb eine grosse Abweichung zu den budgetierten Positionen resultiert (+406'942 Franken).

Soziale Sicherheit: Es ist eine leichte Fallzunahme bzw. sind Mehrkosten im Zusammenhang mit den Heimfinanzierungen im Bereich der Ergänzungsleistungen zur AHV festzustellen (+46'173 Franken). Im Bereich der wirtschaftlichen Sozialhilfe wurde für das Jahr 2020 zu optimistisch budgetiert (+165'398 Franken), und es wurden fälschlicherweise lediglich die Prozesskosten (Entschädigung an AOZ), nicht aber die effektiven Fallkosten (Entschädigungen an Asylsuchende) im Budget 2020 eingestellt (+232'574 Franken).

Finanzvermögen: Die nicht budgetierte Investition im Rahmen des Finanzvermögens zugunsten von notwendigem Asylwohnraum führte zu einer Wertberichtigung, welche nicht unüblich ist, sich aber auf die Erfolgsrechnung auswirkt (+346'100 Franken).

Die mehrheitlichen Positionen weisen Abweichungen im zu erwartenden Rahmen aus, dies sowohl auf der Aufwand- als auch auf der Ertragsseite.

Investitionsrechnung
Die Investitionsrechnung im Verwaltungsvermögen weist Ausgaben von 1'111'960.68 Franken und Einnahmen von 432'109.05 Franken aus. Die Nettoausgaben betragen gesamthaft 679'851.63. Franken, budgetiert waren 1'241'000 Franken. Die Abweichung von -561'148 Franken ist durch nicht realisierte Projekte entstanden, welche folglich zum Teil in der Jahresrechnung 2021 Niederschlag finden werden. Die Investitionsrechnung im Finanzvermögen weist Ausgaben von 1'152'751.15 Franken und Einnahmen von 2'200 Franken aus. Die Differenz zum Budget 2020 korreliert mit dem Kauf der Liegenschaft an der alten Bahnhofstrasse 19, welche als Asylwohnraum benötigt wird.

Steuerfuss
Von 2015 bis 2018 war der Steuerfuss unverändert bei 39%. Die Gemeindeversammlung stimmte im Herbst 2018 einer Steuerfussreduktion von 3% zu, wobei sich der Steuerfuss unverändert seit dem Jahr 2019 bei 36% hält.

Anzahl steuerpflichtige Personen
Im Jahr 2020 waren in der Gemeinde Schwerzenbach total 4'573 Personen steuerpflichtig (4'043 natürliche Personen, 238 juristische Personen, 292 quellensteuerpflichtige Personen). Die Entwicklung der letzten fünf Jahre zeigt auf, dass das Total der steuerpflichtigen Personen ungefähr gleichbleibend ist (+ / - 100 natürliche Personen, + / - 20 juristische Personen) oder einen leichten Aufwärtstrend verzeichnet.

Steuern
Der Nettoertrag der allgemeinen Gemeindesteuern 2020 belief sich für die Politische Gemeinde auf 6'545'099.90 Franken gegenüber budgetierten 6'554'000 Franken, was einer Punktlandung entspricht. Gut 88% der Steuern wurden von natürlichen Personen bezahlt, die restlichen knapp 12% von juristischen und quellensteuerpflichtigen Personen.

Grundstückgewinnsteuern
Der Ertrag aus den Grundstückgewinnsteuern präsentiert sich mit 1’823'069.80 Franken gegenüber budgetierten 1'700'000 Franken leicht höher als erwartet.

Selbstfinanzierungsgrad
Der Selbstfinanzierungsgrad zeigt auf, wie die Nettoinvestitionen mit dem erwirtschafteten Cashflow finanziert werden konnten. Ein Selbstfinanzierungsgrad von 100 % bedeutet, dass die Nettoinvestitionen gleich hoch waren wie der Cashflow (Ertragsüberschuss vor Abschreibungen). Sind die Investitionen jedoch höher, nimmt der Selbstfinanzierungsgrad ab. Im Jahr 2020 betrug die Selbstfinanzierung (Cashflow) -14%, was mit einem ungenügenden Wert einhergeht und bedeutet, dass Vermögen abgebaut und das Eigenkapital reduziert
wird. Somit erreicht der Nettoverschuldungsquotient -201%. Das Nettovermögen per Ende 2020 beträgt 2'547 Franken pro Einwohner*in. Aufgrund des in den letzten Jahren angehäuften Eigenkapitals von rund 19 Mio. Franken ist eine differenzierte Betrachtung möglicher Entwicklungen angezeigt, jedoch keine Beunruhigung notwendig. Auch deshalb nicht, weil seit 2015 die Jahresrechnungen allesamt positiv und in der Summe mit rund 9 Mio. Franken abgeschlossen werden konnten.

Ausblick
Letztlich stellt der Gemeinderat fest, dass Covid-19 bislang (noch) keine Auswirkungen auf den Gemeindefinanzhaushalt zeigte. Irgendwann allerdings versiegen früher oder später die Quellen der Taggelder und Kurzarbeit, was Bewegungen in der Jahresrechnung 2021 herbeiführen könnte. Ob die Jahresrechnungen unserer Gemeinde ausgeglichen abschliessen oder nicht, hängt nach wie vor erheblich zum einen von den Erträgen aus den Grundstückgewinnsteuern, zum anderen vom Aufwand der Hauptaufgabenbereiche Gesundheit und Soziale Sicherheit ab. Somit werden ausgeglichene Jahresrechnungen auch in den nächsten Jahren durchaus zu erreichen sein, jedoch eine Herausforderung bleiben.


Die detaillierten Differenzbegründungen sind in der Beilage ausgewiesen. 

 
Jahresrechnung_2020.pdf (3830.9 kB)

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Gedruckt am 26.11.2021 23:55:31